Kindheit – früher und heute

Oft halte ich inne und beobachte mit tiefster Bewunderung die Unbeschwertheit meiner Kinder. Wie sie sich an den kleinsten Dingen wie Regenwürmern oder Steinen erfreuen, im Schlamm matschen und die Welt mit allen Sinnen erleben. Der Kleine, der sich an der Ostsee damit begnügen kann, mit den Händen Sand zu schieben wie ein Bagger, die Kleine, die jede Muschel aufhebt, umdreht und in ihre Sammeltasche steckt und die Große, die ausgelassen in die Wellen springt und über sie hinweg schwimmt. Sie brauchen weder Spielzeug noch Bespaßung; ihre Beschäftigung ist die Natur.
Nachdem unsere ersten Sommerferien vorbei waren und der Alltag wieder eintrat, musste ich schmunzeln, wie gelassen die beiden Kleinen blieben. Klar, Termin- und Stundenpläne sind ihnen mit ihren zwei und drei Jahren völlig fremd und auch total egal. Und wenn man sie auch noch so sehr mit „Los jetzt!“ oder „Schneller!“ treibt – sie spielen lieber noch eine Runde Kissen durch die Gegend schleppen als auch nur daran zu denken, sich anzuziehen.
Doch so schnell wie die Zeit vergeht, ist es nicht mehr lange hin bis zu ihrer Einschulung und auch für sie heißt es pünktlich sein und nach Stundenplan lernen. Und dann wird die Große auf dem Gymmi sein und mit ihren Freunden ins Freibad gehen wie die Teenies, die ich erst neulich dort beobachtet habe. Sie waren etwa 14/15 – die Mädchen schon richtig weiblich, die Jungs noch eher kindlich und von den im Bikini verpackten Formen ihrer Mitschülerinnen sichtlich überfordert. Verstohlene Blicke blieben von mir nicht unentdeckt und ich begann mich zu erinnern, wie das bei uns damals war.

Wo zum Teufel ist die Zeit hin?

15 Jahre sind vergangen seit auch wir Mädels in der Klasse 8 die Möppis hochgeschnallt und mit engen Hosen die Jungs mit unseren Rundungen in Verlegenheit gebracht haben. Und während ich so darüber nachdenke, schreibt mir meine beste Freundin, dass sie sich so gern an unsere Kindheit erinnert. Es muss also in der Luft gelegen haben. Melancholie tut sich breit. Ob das am Wetter liegt? Oder an der Tatsache, dass wir uns heute trotz direkter Wohnortnähe so gut wie nie sehen? Beide haben wir Kinder, Mann und Haushalt, sorgen uns um Geld und Zukunft, machen uns Gedanken und wären so gern mal für ein paar Stunden die Verantwortung los. Einfach noch einmal Kind sein. In Bäume klettern, am Bach spielen, Buden bauen, Eis essen, zum Chor gehen, ins Landheim fahren, Löffelsprache sprechen, Musik hören – nichts weiter.

Wann sind wir eigentlich so erwachsen geworden?

Ich hatte mich nie für einen besonders reifen Menschen gehalten. Oftmals viel zu albern und stets mit Humor beschreite ich meinen Weg. Ich fange noch immer an zu kichern wie ein kleines Mädchen, wenn mir danach ist. Noch immer bin ich jemand, der – wenn ihn die Gefühle überkommen – haltlos in Tränen ausbricht. Aber wie ich so vor mich hin grübel, hat sich doch etwas verändert. Klar, ich bin Mama von drei Kindern! Ich habe die Verantwortung für drei wunderbare selbstgeschaffene Menschen! Lange Zeit wollten wir den Geburtstag nach dem 29igsten als 29a bezeichnen und das Altern stoppen. Als die 30 dann vor der Tür stand, war das völlig okay für mich. Komm herein! Ich bin jetzt 30 – wie erwachsen das klingt. Aber es passt irgendwie. Ob meine Eltern das auch so empfinden? Ich muss sie unbedingt fragen, wann sich ihrer Empfindung nach mein Erwachsenwerden so rotzfrech eingeschlichen hat. Klar wohne ich seit 7 Jahren nicht mehr bei ihnen und bin finanziell unabhängig, aber das war noch lange nicht der Punkt der endgültigen Abnabelung. Wir haben schon immer ein sehr gutes, aber nicht abartig enges Verhältnis. Trotz unserer 3km Entfernung schaffen wir gut und gern auch mal eine Woche ohne Kontakt, können dann aber wieder stundenlang über dies und jenes schwatzen. So ei